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Secondhand ohne schlechtes Gewissen
Gebrauchte Babysachen sind längst mehr als eine Notlösung für ein kleines Budget. Secondhand steht für einen bewussteren Familienalltag: weniger Verschwendung, individuelle Ausstattung und häufig gut erhaltene Lieblingsstücke. Doch nicht bei jedem Produkt ist gebraucht automatisch die beste Wahl. Was ihr bedenkenlos übernehmen könnt, wobei ein genauer Sicherheitscheck nötig ist und was besser neu gekauft wird.
Kaum ist ein Baby unterwegs, scheint die Einkaufsliste täglich länger zu werden: Bodys, Kinderwagen, Beistellbett, Wickelkommode, Trage, Spielzeug und vieles mehr. Gleichzeitig wachsen die Kleinen so schnell, dass manche Dinge nur wenige Wochen genutzt werden. Entsprechend groß ist das Angebot an gut erhaltenen Babysachen aus zweiter Hand. Secondhand zu kaufen bedeutet dabei nicht, dem eigenen Kind etwas vorzuenthalten. Im Gegenteil: Es kann eine bewusste Entscheidung gegen Überkonsum und für langlebige Produkte sein. Aber auch wer bestimmte Dinge lieber neu kauft, muss kein schlechtes Gewissen haben. Nachhaltiger Familienalltag ist kein Wettbewerb, bei dem alles perfekt sein muss.
Warum Secondhand bei Babys sinnvoll ist
Viele Kleidungsstücke werden nur wenige Male getragen, bevor sie zu klein sind. Auch Babywannen, Wickelauflagen, Spielbögen oder Beistellbetten haben häufig nur eine kurze Nutzungszeit. Gebraucht sind solche Produkte deutlich günstiger – und ihre Lebensdauer wird verlängert. Besonders Kleidung eignet sich gut für den Secondhand-Kauf. Die Herstellung neuer Textilien benötigt Rohstoffe, Wasser und Energie. Werden vorhandene Kleidungsstücke länger genutzt, kann das die Umwelt entlasten. Ein weiterer Vorteil: Eltern können hochwertigere Produkte kaufen, die neu vielleicht nicht ins Budget passen würden. Ein stabiler Holzhochstuhl oder ein gut verarbeiteter Wollschlafsack hält oft mehrere Kinder aus und lässt sich später erneut weiterverkaufen.
Was kann gut gebraucht gekauft werden?
Babykleidung
Bodys, Strampler, Hosen, Pullover, Jacken und Mützen sind klassische Secondhand-Produkte. Kleine Flecken oder leichte Gebrauchsspuren sind meist kein Problem, solange der Stoff sauber, weich und intakt ist. Vor dem ersten Tragen sollte gebrauchte Kleidung entsprechend dem Pflegeetikett gewaschen werden. Kontrolliert außerdem Druckknöpfe, Reißverschlüsse, Kordeln und kleine Verzierungen. Lose Knöpfe oder Applikationen können für Babys gefährlich werden. Besonders praktisch sind Kleidungspakete in einer Größe. Sie sparen Versandkosten und verhindern, dass Eltern jedes Teil einzeln zusammensuchen müssen. Trotzdem gilt: Nicht jedes vermeintliche Schnäppchen wird tatsächlich gebraucht. Zehn günstige Pullover sind nicht nachhaltig, wenn am Ende nur drei getragen werden.
Kinderwagen und Buggys
Ein hochwertiger Kinderwagen kann problemlos mehrere Familien begleiten. Bei einer Besichtigung sollten Eltern jedoch etwas Zeit für einen gründlichen Check einplanen:
- Funktionieren Bremse, Gurte und Klappmechanismus?
- Sitzen Räder und Griffe fest?
- Gibt es Rost, Risse oder verbogene Teile?
- Ist der Bezug waschbar?
- Sind alle Adapter und Zubehörteile vorhanden?
- Gibt es das Modell noch, sodass Ersatzteile erhältlich sind?
Am besten wird der Wagen vor dem Kauf zusammen- und auseinandergeklappt und einige Meter probegefahren.
Babytragen und Tragetücher
Tragetücher, Ringslings und viele Babytragen eignen sich ebenfalls gut für Secondhand. Der Stoff darf nicht ausgeleiert oder beschädigt sein, Nähte und Schnallen müssen vollständig intakt sein. Bei Komforttragen lohnt sich außerdem ein Blick auf das genaue Modell. Ältere Tragen lassen sich möglicherweise weniger gut an Baby und Eltern anpassen. Eine Trageberatung kann helfen, ein passendes Modell zu finden – unabhängig davon, ob es neu oder gebraucht ist.
Möbel aus Massivholz
Wickelkommoden, Regale, Kleiderschränke und stabile Hochstühle lassen sich meist sehr gut weitergeben. Vor der Nutzung sollten gebrauchte Möbel gründlich gereinigt und auch Ritzen oder Bohrlöcher ausgesaugt werden. Bei Babybetten und Hochstühlen müssen Stabilität, Schrauben, Verriegelungen und Abstände genau kontrolliert werden. Fehlende Teile sollten ausschließlich durch passende Originalteile ersetzt werden.
Bücher und ausgewähltes Spielzeug
Bilderbücher, Stapelbecher, Bauklötze und viele Holzspielzeuge sind ideale Secondhand-Funde. Vorsicht ist dagegen bei sehr altem Spielzeug aus weichem Kunststoff geboten. In Produkten, die bis einschließlich 2006 hergestellt wurden, können noch heute problematische Weichmacher enthalten sein. Auch Spielzeug mit abblätternder Farbe, klebriger Oberfläche, starkem Geruch oder fehlender Herstellerkennzeichnung gehört nicht in Babyhände.
Hier ist besondere Vorsicht nötig
Babyschale und Kindersitz
Bei Kindersitzen hat Sicherheit Vorrang vor dem Sparpreis. Durch einen früheren Unfall können im Material Schäden entstanden sein, die von außen kaum zu erkennen sind. Der ADAC empfiehlt deshalb, einen gebrauchten Sitz möglichst persönlich zu besichtigen. Risse, Verformungen oder Bruchstellen sind klare Ausschlussgründe. Außerdem müssen Gurte, Schloss, Polster, Einlagen und Bedienungsanleitung vollständig vorhanden sein. Am sichersten ist ein neuer Sitz. Eine gebrauchte Babyschale kommt höchstens infrage, wenn sie von einer absolut vertrauenswürdigen Person stammt und zweifelsfrei unfallfrei ist. Zusätzlich müssen Alter, Zulassung, Rückrufmeldungen und Kompatibilität mit dem eigenen Auto geprüft werden. Ein günstiger No-Name-Sitz ist übrigens nicht automatisch die bessere Alternative zum hochwertigen Gebrauchtmodell. Auch neue Sitze sollten nach unabhängigen Testergebnissen ausgewählt und vor dem Kauf im eigenen Auto ausprobiert werden.
Babybett und Matratze
Ein stabiles Bettgestell kann gebraucht gekauft werden. Bei der Matratze ist ein Neukauf meist die unkompliziertere und hygienischere Wahl. So lässt sich besser beurteilen, ob sie fest, sauber, eben und passend zum Bett ist. Für einen sicheren Babyschlaf wird eine feste Matratze empfohlen, die sich nicht stark eindrücken lässt. Kissen, Nestchen, Felle, dicke Bettumrandungen und weiche Polster gehören im ersten Lebensjahr nicht in das Babybett. Wird dennoch eine gebrauchte Matratze übernommen, sollte sie keine Kuhlen, feuchten Stellen, Gerüche oder Verfärbungen haben.
Diese Produkte besser neu kaufen
Einige Dinge sind sehr persönlich, unterliegen starkem Materialverschleiß oder müssen besonders hygienisch sein. Dazu gehören:
Sauger, Schnuller und Mundpflegeprodukte: Gummi und andere Materialien können porös werden. In kleinen Rissen können sich Bakterien sammeln.
Matratze für das Babybett: Neu lässt sich Festigkeit, Sauberkeit und Zustand am zuverlässigsten beurteilen.
Geöffnete Pflege- und Hygieneprodukte: Cremes, Medikamente, Milchpulver oder angebrochene Windelpackungen mit unbekannter Lagerung sind kein sinnvoller Secondhand-Kauf.
Produkte mit nicht nachvollziehbarer Sicherheitsgeschichte: Dazu zählen insbesondere Kindersitze und später Fahrradhelme. Ist unklar, ob ein Produkt heruntergefallen, falsch gelagert oder in einen Unfall verwickelt war, sollte darauf verzichtet werden.
Beschädigte Elektrogeräte: Babyphone, Flaschenwärmer oder Milchpumpen sollten nur übernommen werden, wenn Kabel, Akku, Gehäuse und Funktionen einwandfrei sind. Persönliche oder mit Milch in Berührung kommende Teile sollten neu gekauft beziehungsweise entsprechend den Herstellerangaben ersetzt werden.
Hier findet ihr gute Secondhand-Babysachen
Vinted
Die App eignet sich vor allem für Baby- und Kinderkleidung, Schlafsäcke, Schuhe und kleinere Accessoires. Die Plattform bietet eigene Kategorien für Baby- und Kindermode. Bewertungen anderer Nutzerinnen und Nutzer können bei der Auswahl helfen. Bei kleinen Einzelteilen sollten Eltern Versandkosten und Gebühren mitrechnen. Häufig lohnen sich Pakete mit mehreren Kleidungsstücken derselben Größe.
Kleinanzeigen
Auf Kleinanzeigen finden Eltern neben Kleidung auch Kinderwagen, Möbel, Spielzeug und komplette Erstausstattungen. Der große Vorteil ist die lokale Suche: Sperrige Produkte können persönlich angesehen, ausprobiert und abgeholt werden. Kleinanzeigen versteht sich ausdrücklich als Plattform für den lokalen An- und Verkauf. Bei teuren Artikeln sollte niemals allein anhand von Bildern gekauft werden. Persönliche Übergabe und Funktionsprüfung sind besonders bei Kinderwagen, Möbeln und technischen Geräten sinnvoll.
Sellpy
Sellpy verkauft unter anderem geprüfte Secondhand-Kinderkleidung und Spielzeug. Anders als bei vielen Privatverkäufen gibt es dort feste Bestell- und Rückgabeprozesse. Die Plattform bietet in Deutschland auch Baby- und Kindermode an.
Nebenan.de
Über den Marktplatz von nebenan.de lassen sich Kleidung, Spielzeug, Kinderbücher, Möbel und Babyausstattung direkt in der eigenen Nachbarschaft finden. Viele Dinge werden dort nicht nur verkauft, sondern auch verschenkt oder getauscht.
Kindersecondhandläden und Sozialkaufhäuser
Lokale Kindersecondhandläden haben den Vorteil, dass Eltern die Produkte anfassen, Größen vergleichen und den Zustand direkt prüfen können. Sozialkaufhäuser, Familienzentren und gemeinnützige Einrichtungen bieten ebenfalls häufig günstige Baby- und Kindersachen an. Eine Suche nach „Kindersecondhand + Wohnort“ oder „Sozialkaufhaus + Wohnort“ zeigt meist schnell passende Anlaufstellen.
Kinderbasare, Flohmärkte und Kita-Feste
Viele Kitas, Kirchengemeinden, Familienbildungsstätten und Vereine veranstalten vorsortierte Kinderbasare. Besonders Kleidung, Bücher und Spielzeug sind dort günstig zu bekommen. Bei vorsortierten Basaren können Eltern gezielt nach Größe suchen, ohne jeden Stand einzeln durchsehen zu müssen. Auch Freundeskreise, Geburtsvorbereitungskurse und Eltern-Kind-Gruppen sind gute Tauschbörsen. Oft kennen die Beteiligten die Geschichte der Produkte – ein großer Vorteil bei sicherheitsrelevanten Anschaffungen.
Nachhaltig heißt nicht, alles gebraucht zu kaufen
Secondhand wird dann besonders nachhaltig, wenn ein gebrauchtes Produkt tatsächlich einen Neukauf ersetzt. Wer aus Begeisterung ständig günstige Sachen bestellt, besitzt am Ende möglicherweise mehr als zuvor. Hilfreich ist deshalb eine kleine Bedarfsliste. Was wird sofort gebraucht? Was kann geliehen werden? Was lässt sich erst kaufen, wenn das Baby tatsächlich in der entsprechenden Entwicklungsphase ist? Viele vermeintliche Must-haves stellen sich im Alltag als überflüssig heraus. Eltern dürfen außerdem bewusst mischen: Kleidung gebraucht, Matratze neu, Kinderwagen geliehen und den Lieblingsschlafsack als neues Geschenk. Nachhaltigkeit funktioniert nicht nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip.
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