Illustration Marie Reimann

20. Mai 2026

Kopfrechnen mit der kleinen Eins

„Später habt ihr auch nicht immer einen Taschenrechner dabei.“ Nur allzu gut erinnern viele sich an diesen typischen Satz von Mathematiklehrerinnen und – lehrern. Sie ermahnten uns, auf unsere eigenen Fähigkeiten und das Kopfrechnen zu vertrauen, uns anzustrengen und, wo es möglich war, Aufgaben im Kopf zu lösen. Ohne Zuhilfenahme von technischem Gerät. Oftmals steigerte sich dadurch das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Doch wie steht es um den Wahrheitsgehalt eingangs zitierter Aussage? Haben wir denn wirklich nicht immer einen Taschenrechner dabei? Spätestens mit dem Griff zum geliebten Smartphone lässt sich diese Frage beantworten. Ruckzuck ist die Taschenrechner-App gefunden. Die Bedienung ist eingängig und unkompliziert. Es ist also notfalls immer ein Taschenrechner zur Hand.

Ist Kopfrechnen somit überflüssig geworden?

Das Kopfrechnen diente schon in der früheren Menschheitsgeschichte Wissenschaftlern und Handelsleuten als Weg, um schnell Ergebnisse vorliegen zu haben. Es ergab sich also aus einer praktischen Notwendigkeit heraus. Doch schon damals erkannten die Menschen das zentrale Problem des Kopfrechnens: seine hohe Fehleranfälligkeit. Daher entwickelten sich Hilfsmittel, die das Kopfrechnen ergänzen sollten, so bspw. der allseits bekannte Abakus. Im Mittelalter war vor allem das Rechnen auf Linien unter Zuhilfenahme von Rechenpfennigen populär. Mechanische Rechner entstanden erst ab den 1940er-Jahren. Der erste elektronische Taschenrechner im klassischen Sinne entstand im Jahre 1967. Er wog damals noch mehr als ein Kilogramm, war so dick wie ein Wörterbuch, passte aber immerhin bereits in eine Handfläche.

Trotz notwendiger Hilfsmittel die damals wie heute das Leben erleichtern, ist es dennoch das Kopfrechnen, das vielen stets im Alltag begegnet. Denn wir überschlagen und kalkulieren in unseren Gedanken besser. Sei es zum Beispiel beim Zusammenrechnen von Punkten nach einem Kartenspiel oder das Rechnen beim Einkauf im Supermarkt. Beides funktionierte im Kopf wahrscheinlich schneller, als auf einem technisches Hilfsmittel, das man erst suchen muss.

So bereitet Mathematik Freude bei Kindern

„Reichen die 2 Euro meines Taschengeldes noch für eine Packung Apfelringe und eine Tafel Schokolade?“ Damals vermutlich schon, heutzutage eher nicht. Aber zumindest kann Mathematik so definitiv Freude bereiten. Dass das Kopfrechnen prinzipiell keinen Spaß macht, lässt sich also nicht erkennen. Aber ist es deshalb wirklich noch notwendig? Mit Blick auf den Stand der Forschung lässt sich dies eindeutig mit „Ja“ beantworten. Das Kopfrechnen fördert die mentalen Fähigkeiten. Gedächtnis- und Konzentrationsleistungen werden spürbar gestärkt. Es festigt Kompetenzen zur schnellen Problemlösung, Entscheidungsfindung und bietet nach wie vor allerlei Vorteile im Alltag, macht flexibel und unabhängig.

Felix Walk

Als Autor tourt Felix Walk seit vielen Jahren durch Deutschlands Schulklassen und liest aus den von Illustratorin Marie Reimann und ihm entwickelten Kinderbüchern rund um „Die kleine Eins“ vor. Die Geschichten handeln von Zahlenfreunden, die in ihren Abenteuern gemeinsam mathematische Herausforderungen bewältigen müssen. Mal dreht sich um basale Fähigkeiten der Addition und Subtraktion, manchmal müssen Mengenvergleiche durchgeführt oder knifflige Rätsel gelöst werden. Die Thematik des Kopfrechnens wird hier immer wieder implizit aufgegriffen.

Das Kopfrechnen ist also keineswegs aus der Mode gekommen. Besonders in den Zeiten von künstlicher Intelligenz und Schnelllebigkeit sind es manchmal die vermeintlich „alten“ Fertigkeiten, die wieder an Bedeutung gewinnen. Ähnlich ergeht es auch den Büchern der kleinen Eins, die neben den Übersetzungen ins Englische auch ins Niederdeutsche übertragen wurden. Eine Sprache, die trotz ihrer langen Historie weiterhin lebendig ist und Jung und Alt gleichermaßen begeistern kann.

Mehr Infos: https://spica-verlag.de/book-author/walk-felix/

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