Bild: AdobeStock, EPoS Economic Research Center

11. Dezember 2025

Beziehungsqualität der Eltern nach der Geburt

Nach der Geburt des ersten Kindes verschlechtert sich die Beziehungsqualität der Eltern dauerhaft. Sowohl Männer als auch Frauen beschreiben eine solche Beeinträchtigung der Paarbeziehung. Laut Forschern ist eine wichtige Ursache, dass die beruflichen und häuslichen Aufgaben zwischen den Partnern neu verteilt werden. Frauen übernehmen in der Regel mehr Hausarbeit und Männer einen größeren Anteil der Erwerbsarbeit. Je stärker Paare die Rollenverteilung mit der Elternschaft ändern, desto mehr verschlechtert sich die Qualität ihrer Beziehung. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung des EPoS Economic Research Centers der Universitäten Bonn und Mannheim. Die Studie wird im Diskussionspapier „Children, Household Specialization and Relationship Quality” veröffentlicht.

Interview mit Olatz Román zur Studie des EPoS Economic Research Centers

Olatz Román, EPoS Economic Research Center / Elena Annabel Teagno

Frau Román, was passiert in den Beziehungen der Eltern nach der Geburt des ersten Kindes?

Olatz Román: Wir haben festgestellt, dass beide Partner nach der Geburt des ersten Kindes einen deutlichen Rückgang ihrer Beziehungsqualität wahrnehmen. Diese Verschlechterung hält mindestens sieben Jahre lang an. Überraschend war für uns, dass Frauen und Männer davon offenbar gleichermaßen betroffen sind. Nach unserer Untersuchung ist die Beeinträchtigung größer, wenn Eltern die Aufteilung von beruflichen und häuslichen Aufgaben stärker verändern. Unsere Forschung basiert auf den Antworten von 1.760 Männern und Frauen im Vereinigten Königreich, die alle zwei Jahre über insgesamt 13 Jahre befragt wurden.

Warum nimmt die Beziehungsqualität von Eltern deutlich ab – gibt es dazu Hinweise in Ihrer Untersuchung?

Olatz Román: Mit der Geburt von Kindern steigen die Anforderungen an Paare durch zusätzliche Aufgaben bei der Kinderbetreuung und im Haushalt. Diese neuen Aufgaben werden oft von Frauen auf Kosten ihrer beruflichen Tätigkeit wahrgenommen, während Männer einen größeren Anteil der bezahlten Arbeit übernehmen. Vor der Geburt unterschätzen viele Paare die damit verbundenen Belastungen – insbesondere Frauen. Kinder fördern zwar das allgemeine Glücksempfinden, doch die Auswirkungen auf die wahrgenommene Beziehungsqualität sind negativ.

Was können Paare tun, um ihre Beziehung vor und nach der Geburt des ersten Kindes zu schützen?

Olatz Román: Wenn werdende Eltern sich der notwendigen Anpassungen bewusst sind, können sie sich besser vorbereiten, sich absprechen und eine ausgewogenere Aufgabenteilung vereinbaren, noch bevor das erste Kind zur Welt kommt. Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass eine stärker partnerschaftliche Rollenteilung, die nach der Geburt des Kindes aufrechterhalten wird, mit einer weniger starken Beeinträchtigung der Beziehungsqualität einhergeht.

Wie können politische Entscheidungsträger Eltern helfen, die Beziehungsqualität zu schützen?

Olatz Román: Viele bestehende Maßnahmen, wie die Elternzeit oder Zuschüsse für Kinderbetreuung, zielen darauf ab, die Karriereaussichten insbesondere für Mütter zu verbessern. Das sind für sich genommen schon wertvolle Ziele. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass solche Maßnahmen ebenfalls helfen können, die Beziehungsqualität von Eltern zu verbessern, indem sie eine gleichmäßigere Aufgabenverteilung fördern.

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