Verschattung von außen hilft am besten dabei, die Hitze draußen zu halten.
„Babys leiden stärker unter Hitze“
Heiße Temperaturen sind für die Kleinsten besonders unangenehm. Im Interview gibt Hitzeschutz-Expertin Claudia Peretzki Tipps, mit welchen Maßnahmen Eltern ihr Zuhause und ihre Kinder vor Überhitzung schützen können.
Wie hat sich die Bedeutung von Hitzeschutz in den vergangenen Jahren verändert?
Früher war Hitzeschutz eher ein Luxusthema, heute merken wir sehr viel deutlicher, wie sich anhaltende Hitze und steigende Temperaturen auf den Körper und das allgemeine Wohlbefinden auswirken können. Babys und Kleinkinder leiden noch stärker unter den heißen Temperaturen als Erwachsene. Im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen besitzen sie eine relativ große Oberfläche, sodass sie ihre Körperkerntemperatur schwer regulieren können.
Welche typischen Fehler machen Menschen bei großer Sommerhitze?
Viele reagieren erst, wenn die Wohnung schon komplett aufgeheizt ist. Ein typischer Fehler ist auch, tagsüber die Fenster offen zu lassen, obwohl es draußen heiß ist. Und was oft unterschätzt wird: Gerade unterm Dach kann sich Wärme extrem schnell stauen. Für Babys und Kleinkinder kann das schnell zum Problem werden.
Was ist wichtiger: richtiges Lüften oder Verschattung?
Ohne Verschattung heizen sich Räume schnell auf, ohne richtiges Lüften bekommt man die Wärme später kaum wieder heraus. Deshalb gehört beides zusammen. Die Faustregel lautet: Tagsüber die Sonne draußen halten und nur dann lüften, wenn es draußen kühler ist als drinnen – also am besten früh morgens, spät abends oder nachts.
Besonders schnell tauscht man die über den Tag erwärmte Luft mit Querlüften oder unter Nutzung des Kamineffekts aus: Durch das Öffnen mehrerer Fenster auf unterschiedlichen Stockwerken zieht warme, feuchte Luft oben im Haus durch das Dachfenster ab, während unten automatisch kühlere, trockene Luft nachströmt.
Welche einfachen Maßnahmen können Mieter ohne große Umbauten umsetzen? Wie können Eltern ihre Wohnung hitzesicher gestalten?
Gerade im Sommer machen oft schon kleine Dinge einen großen Unterschied. Feuchte Tücher im Raum können dabei helfen, die Hitze etwas abzumildern. Und auch ein Ventilator kann unterstützen, vor allem dann, wenn die Luft in der Wohnung steht. Für Eltern ist außerdem wichtig, die Wohnung einmal mit den Augen ihres Kindes zu sehen: Wo ist es noch angenehm, wo staut sich die Wärme? Dann sollten sie an diesen Stellen nachbessern.
Welche Rolle spielen Außenrollläden, Markisen oder andere Verschattungssysteme?
Außenliegende Verschattung ist beim Hitzeschutz besonders wirksam, weil sie die Sonne stoppt, bevor die Wärmeenergie durch das Fenster in den Raum gelangt. Genau das ist vor allem bei Dachfenstern entscheidend, weil sie viel direkte Sonne abbekommen. Außenrollläden halten Räume besonders effektiv kühl und verdunkeln zusätzlich – das kann bei langen Tagen im Sommer bei Kinderzimmern sehr sinnvoll sind. Außenliegende Hitzeschutz-Markisen sind dann eine gute Lösung, wenn es darum geht, Hitze zu reduzieren, ohne den Raum komplett abzudunkeln.
Helfen Ventilatoren wirklich – und wenn ja, wie setzt man sie richtig ein?
Ventilatoren können helfen, weil Luftbewegung als angenehmer empfunden wird. Man darf nur nicht erwarten, dass sie den Raum wirklich herunterkühlen. Eltern sollten sie so einsetzen, dass sie nicht zu einer Gefahr für ihre Kinder werden – außerhalb deren Reichweite aufstellen und dauerhaften direkten Luftzug unbedingt vermeiden.

Claudia Peretzki, Produktmanagerin und Hitzeschutz-Expertin bei Velux
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